Liebe Gläubige, liebe Freunde und Wohltäter!
Der Monat Mai, der in ganz besonderer Weise der allerseligsten Jungfrau Maria gewidmet ist, führt uns ganz natürlicherweise zu einer tieferen Betrachtung ihres Geheimnisses. Es handelt sich nicht nur um eine fromme Übung unter vielen, sondern um eine Rückkehr zu einer wesentlichen Wahrheit unseres christlichen Lebens: der Wahrheit einer Mutter, die uns von Gott geschenkt wurde und die uns Gott schenkt, und deren Sendung zugleich die zärtlichste Sanftmut und die gewaltigste Kraft umfasst.
Manchmal ist man versucht, in ihr nur eine Gestalt der Sanftmut, ja sogar der Schwäche zu sehen. Doch die Heilige Schrift selbst stellt sie uns in diesem doppelten Licht dar: Sie strahlt wie die Sonne und ist zugleich furchtbar wie ein zum Kampf aufgestelltes Heer. Gerade in dieser vollkommenen Einheit liegt die ganze Schönheit der heiligen Jungfrau: Mutter der Barmherzigkeit, aber auch starke Königin, die im Kampf gegen das Böse engagiert ist.
Diese Dimension zeigt sich bereits sehr deutlich in den Gestalten des Alten Testaments. Schon auf den ersten Seiten der Genesis lässt die göttliche Verheissung eine Frau erahnen, die im Zentrum eines unerbittlichen Kampfes gegen die Schlange steht. Der Gegensatz zwischen den beiden Nachkommenschaften zieht sich durch die gesamte Heilsgeschichte, und Maria, die neue Eva, nimmt darin einen zentralen Platz ein. Wo die erste Eva nach der Natur als Mutter der Lebenden bezeichnet wurde, wird Maria durch das Geheimnis der Gnade zur Mutter der Lebenden, da sie der Welt den Erlöser schenkt. Doch diese Mutterschaft ist untrennbar mit einer siegreichen Mission verbunden: jener, die sich im Zerschmettern des Kopfes der Schlange erfüllt.
Die grossen biblischen Gestalten vertiefen dieses Geheimnis. Judith triumphiert durch ihre Reinheit und Entschlossenheit über den Feind Holofernes, indem sie ihm den Kopf abschlägt, und vermittelt so ein eindrucksvolles Bild des Sieges über Satan. Esther ihrerseits verkörpert diese mutige Vermittlerrolle: Sie setzt sich vor dem König ein, um ihr Volk zu retten, und nimmt damit die kühne Fürsprache der heiligen Jungfrau vorweg. Die Bundeslade, ganz heilig, ganz rein, die die Gegenwart Gottes inmitten ihres Volkes trägt, kündigt ebenfalls jene an, die das fleischgewordene Wort in ihrem Schoss tragen wird. Und wenn das Hohelied die Schönheit der Braut besingt und sie als „furchterregend wie ein zum Kampf aufgestelltes Heer“ beschreibt, lässt es uns diese bewundernswerte Vereinigung von Gnade und Macht erahnen, die in Maria erstrahlt. So zeichnet sich durch diese Gestalten bereits das Antlitz einer Königin ab, die zugleich sanft und unbesiegbar ist.
Im Evangelium offenbart sich dieselbe Wirklichkeit auf eine innigere, stillere, aber nicht weniger kraftvolle Weise. Die heilige Jungfrau erscheint darin mehr als Mutter, aber als eine Mutter, deren Stärke beständig und tief ist und stets vollkommen auf den Willen Gottes ausgerichtet ist. Bei der Verkündigung ist ihr „fiat“ nicht bloss ein Wort der Zustimmung: es ist ein Akt heroischen Glaubens, eine völlige Zustimmung zu einem Geheimnis, das jedes menschliche Verständnis übersteigt. Darin liegt eine wahrhaft übernatürliche Kraft, verwurzelt in vollkommener Demut. Diese Kraft setzt sich unmittelbar in der Heimsuchung fort, wo Maria Christus mit Eifer zu anderen trägt und so in der Stille die erste apostolische Mission einleitet.
In Kana entfaltet sich die Kraft ihrer Fürsprache mit souveräner Zurückhaltung. Sie drängt sich nicht auf, sondern gibt einen Hinweis; sie befiehlt nicht, sondern erwirkt. Und doch gibt sie durch ein einziges Wort – „tut alles, was er euch sagt“ – bereits dem gesamten christlichen Leben die Richtung vor. Doch vor allem auf Golgo-tha offenbart sich die Tiefe ihrer Kraft. Am Fuss des Kreuzes stehend, bleibt sie standhaft, ohne zu wanken, vereint mit dem Opfer ihres Sohnes. Ihr Schmerz ist unermesslich, doch sie bringt ihn dar; ihre Gegenwart ist still, doch sie ist aktiv. Sie hat auf einzigartige Weise Anteil am Werk der Erlösung. Diese Kraft ist weder äusserlich noch in den Augen der Welt auffällig: Sie ist innerlich, beständig, heroisch. Und als sie nach der Himmelfahrt mit den Aposteln im Abendmahlssaal steht, erscheint sie als die diskrete, aber reale Stütze der entstehenden Kirche, die bereits ihre geistliche Mutterschaft über alle Gläubigen ausübt.
Im Laufe der Kirchengeschichte zeigen sich diese beiden Aspekte – mütterliche Sanftmut und königliche Stärke – immer wieder und entfalten sich entsprechend den Erfordernissen der Zeit. In ihren Erscheinungen erinnert die heilige Jungfrau unermüdlich an dieselben evangelischen Forderungen: Gebet, Busse, Bekehrung. Sie kommt, um zu trösten, zu ermutigen und die Seelen aufzurichten; aber sie kommt auch, um zu warnen, zu korrigieren und an die Ernsthaftigkeit des geistlichen Kampfes zu erinnern. So findet sich in den grossen Erscheinungen, wie in Lourdes, in Fatima oder in La Salette, immer dieser doppelte Aufruf: eine Einladung zur Barmherzigkeit und zugleich eine eindringliche Mahnung zu den Kämpfen, die gegen die Irrtümer der Welt zu führen sind. Sie erscheint dort als eine Mutter, die sich über ihre Kinder beugt, aber auch als eine Königin, die sie ermahnt, für das Heil ihrer Seelen zu kämpfen.
Diese aktive Gegenwart der heiligen Jungfrau im Kampf der Kirche zeigte sich auch in bedeutenden historischen Ereignissen, wie etwa in der Schlacht von Lepanto, wo der Sieg ihrer Fürsprache durch das Rosenkranzgebet zugeschrieben wurde. Durch diese Eingriffe offenbart sich immer wieder dieselbe Wahrheit: Maria beschützt, leitet und führt ihr Volk in den Kämpfen, die seine Geschichte prägen.
Doch diese Betrachtung darf nicht nur etwas Äusserliches bleiben. Maria ist uns gegeben, um unser eigenes Leben umzuwandeln. Die heilige Jungfrau lehrt uns, dass wahre Sanftmut niemals eine Schwäche ist, sondern der reinste Ausdruck der Nächstenliebe. Sie lehrt uns auch, dass christliche Stärke weder in Härte noch in Gewalt besteht, sondern in Treue, im Gehorsam gegenüber Gott und in der Beharrlichkeit inmitten der Prüfung. Ihr ganzes Leben ist ein Beispiel dafür: Stärke in ihrem Fiat, Stärke in ihrer Nächstenliebe, Stärke in ihrem Mitgefühl, Stärke in ihrer Treue.
Unter den gegenwärtigen Umständen, die von geistiger Verwirrung, Materialismus und einer tiefen Glaubenskrise geprägt sind, kommt dieser Lehre eine ganz besondere Bedeutung zu. Auch wir sind aufgerufen, diese beiden Dimensionen in unserem Leben zu vereinen: voller Sanftmut und Barmherzigkeit zu sein, aufmerksam für andere, bereit, uns ihrem Elend zuzuwenden; aber gleichzeitig fest in der Wahrheit zu stehen, entschlossen im Kampf des Glaubens, ohne jemals in unseren Bemühungen nachzulassen. Denn dieser Kampf richtet sich nicht gegen Menschen, sondern dient dem Heil der Seelen; er wird für den Sieg Christi, des Königs, geführt.
Möge sich uns die allerseligste Jungfrau Maria in diesem Monat Mai in der ganzen Fülle ihres Geheimnisses offenbaren: als Mutter voller Zärtlichkeit und als mächtige Königin im Kampf. In ihr ist alles Harmonie, alles Einheit. Und indem wir uns ihr anvertrauen und ihr nacheifern, werden wir lernen, selbst diesen Weg zu beschreiten, auf dem Sanftmut und Stärke, weit davon entfernt, einander zu widersprechen, sich gegenseitig unterstützen, um uns zu heiligen und uns in die himmlische Heimat zu führen.
Der Monat Mai, der in ganz besonderer Weise der allerseligsten Jungfrau Maria gewidmet ist, führt uns ganz natürlicherweise zu einer tieferen Betrachtung ihres Geheimnisses. Es handelt sich nicht nur um eine fromme Übung unter vielen, sondern um eine Rückkehr zu einer wesentlichen Wahrheit unseres christlichen Lebens: der Wahrheit einer Mutter, die uns von Gott geschenkt wurde und die uns Gott schenkt, und deren Sendung zugleich die zärtlichste Sanftmut und die gewaltigste Kraft umfasst.
Manchmal ist man versucht, in ihr nur eine Gestalt der Sanftmut, ja sogar der Schwäche zu sehen. Doch die Heilige Schrift selbst stellt sie uns in diesem doppelten Licht dar: Sie strahlt wie die Sonne und ist zugleich furchtbar wie ein zum Kampf aufgestelltes Heer. Gerade in dieser vollkommenen Einheit liegt die ganze Schönheit der heiligen Jungfrau: Mutter der Barmherzigkeit, aber auch starke Königin, die im Kampf gegen das Böse engagiert ist.
Diese Dimension zeigt sich bereits sehr deutlich in den Gestalten des Alten Testaments. Schon auf den ersten Seiten der Genesis lässt die göttliche Verheissung eine Frau erahnen, die im Zentrum eines unerbittlichen Kampfes gegen die Schlange steht. Der Gegensatz zwischen den beiden Nachkommenschaften zieht sich durch die gesamte Heilsgeschichte, und Maria, die neue Eva, nimmt darin einen zentralen Platz ein. Wo die erste Eva nach der Natur als Mutter der Lebenden bezeichnet wurde, wird Maria durch das Geheimnis der Gnade zur Mutter der Lebenden, da sie der Welt den Erlöser schenkt. Doch diese Mutterschaft ist untrennbar mit einer siegreichen Mission verbunden: jener, die sich im Zerschmettern des Kopfes der Schlange erfüllt.
Die grossen biblischen Gestalten vertiefen dieses Geheimnis. Judith triumphiert durch ihre Reinheit und Entschlossenheit über den Feind Holofernes, indem sie ihm den Kopf abschlägt, und vermittelt so ein eindrucksvolles Bild des Sieges über Satan. Esther ihrerseits verkörpert diese mutige Vermittlerrolle: Sie setzt sich vor dem König ein, um ihr Volk zu retten, und nimmt damit die kühne Fürsprache der heiligen Jungfrau vorweg. Die Bundeslade, ganz heilig, ganz rein, die die Gegenwart Gottes inmitten ihres Volkes trägt, kündigt ebenfalls jene an, die das fleischgewordene Wort in ihrem Schoss tragen wird. Und wenn das Hohelied die Schönheit der Braut besingt und sie als „furchterregend wie ein zum Kampf aufgestelltes Heer“ beschreibt, lässt es uns diese bewundernswerte Vereinigung von Gnade und Macht erahnen, die in Maria erstrahlt. So zeichnet sich durch diese Gestalten bereits das Antlitz einer Königin ab, die zugleich sanft und unbesiegbar ist.
Im Evangelium offenbart sich dieselbe Wirklichkeit auf eine innigere, stillere, aber nicht weniger kraftvolle Weise. Die heilige Jungfrau erscheint darin mehr als Mutter, aber als eine Mutter, deren Stärke beständig und tief ist und stets vollkommen auf den Willen Gottes ausgerichtet ist. Bei der Verkündigung ist ihr „fiat“ nicht bloss ein Wort der Zustimmung: es ist ein Akt heroischen Glaubens, eine völlige Zustimmung zu einem Geheimnis, das jedes menschliche Verständnis übersteigt. Darin liegt eine wahrhaft übernatürliche Kraft, verwurzelt in vollkommener Demut. Diese Kraft setzt sich unmittelbar in der Heimsuchung fort, wo Maria Christus mit Eifer zu anderen trägt und so in der Stille die erste apostolische Mission einleitet.
In Kana entfaltet sich die Kraft ihrer Fürsprache mit souveräner Zurückhaltung. Sie drängt sich nicht auf, sondern gibt einen Hinweis; sie befiehlt nicht, sondern erwirkt. Und doch gibt sie durch ein einziges Wort – „tut alles, was er euch sagt“ – bereits dem gesamten christlichen Leben die Richtung vor. Doch vor allem auf Golgo-tha offenbart sich die Tiefe ihrer Kraft. Am Fuss des Kreuzes stehend, bleibt sie standhaft, ohne zu wanken, vereint mit dem Opfer ihres Sohnes. Ihr Schmerz ist unermesslich, doch sie bringt ihn dar; ihre Gegenwart ist still, doch sie ist aktiv. Sie hat auf einzigartige Weise Anteil am Werk der Erlösung. Diese Kraft ist weder äusserlich noch in den Augen der Welt auffällig: Sie ist innerlich, beständig, heroisch. Und als sie nach der Himmelfahrt mit den Aposteln im Abendmahlssaal steht, erscheint sie als die diskrete, aber reale Stütze der entstehenden Kirche, die bereits ihre geistliche Mutterschaft über alle Gläubigen ausübt.
Im Laufe der Kirchengeschichte zeigen sich diese beiden Aspekte – mütterliche Sanftmut und königliche Stärke – immer wieder und entfalten sich entsprechend den Erfordernissen der Zeit. In ihren Erscheinungen erinnert die heilige Jungfrau unermüdlich an dieselben evangelischen Forderungen: Gebet, Busse, Bekehrung. Sie kommt, um zu trösten, zu ermutigen und die Seelen aufzurichten; aber sie kommt auch, um zu warnen, zu korrigieren und an die Ernsthaftigkeit des geistlichen Kampfes zu erinnern. So findet sich in den grossen Erscheinungen, wie in Lourdes, in Fatima oder in La Salette, immer dieser doppelte Aufruf: eine Einladung zur Barmherzigkeit und zugleich eine eindringliche Mahnung zu den Kämpfen, die gegen die Irrtümer der Welt zu führen sind. Sie erscheint dort als eine Mutter, die sich über ihre Kinder beugt, aber auch als eine Königin, die sie ermahnt, für das Heil ihrer Seelen zu kämpfen.
Diese aktive Gegenwart der heiligen Jungfrau im Kampf der Kirche zeigte sich auch in bedeutenden historischen Ereignissen, wie etwa in der Schlacht von Lepanto, wo der Sieg ihrer Fürsprache durch das Rosenkranzgebet zugeschrieben wurde. Durch diese Eingriffe offenbart sich immer wieder dieselbe Wahrheit: Maria beschützt, leitet und führt ihr Volk in den Kämpfen, die seine Geschichte prägen.
Doch diese Betrachtung darf nicht nur etwas Äusserliches bleiben. Maria ist uns gegeben, um unser eigenes Leben umzuwandeln. Die heilige Jungfrau lehrt uns, dass wahre Sanftmut niemals eine Schwäche ist, sondern der reinste Ausdruck der Nächstenliebe. Sie lehrt uns auch, dass christliche Stärke weder in Härte noch in Gewalt besteht, sondern in Treue, im Gehorsam gegenüber Gott und in der Beharrlichkeit inmitten der Prüfung. Ihr ganzes Leben ist ein Beispiel dafür: Stärke in ihrem Fiat, Stärke in ihrer Nächstenliebe, Stärke in ihrem Mitgefühl, Stärke in ihrer Treue.
Unter den gegenwärtigen Umständen, die von geistiger Verwirrung, Materialismus und einer tiefen Glaubenskrise geprägt sind, kommt dieser Lehre eine ganz besondere Bedeutung zu. Auch wir sind aufgerufen, diese beiden Dimensionen in unserem Leben zu vereinen: voller Sanftmut und Barmherzigkeit zu sein, aufmerksam für andere, bereit, uns ihrem Elend zuzuwenden; aber gleichzeitig fest in der Wahrheit zu stehen, entschlossen im Kampf des Glaubens, ohne jemals in unseren Bemühungen nachzulassen. Denn dieser Kampf richtet sich nicht gegen Menschen, sondern dient dem Heil der Seelen; er wird für den Sieg Christi, des Königs, geführt.
Möge sich uns die allerseligste Jungfrau Maria in diesem Monat Mai in der ganzen Fülle ihres Geheimnisses offenbaren: als Mutter voller Zärtlichkeit und als mächtige Königin im Kampf. In ihr ist alles Harmonie, alles Einheit. Und indem wir uns ihr anvertrauen und ihr nacheifern, werden wir lernen, selbst diesen Weg zu beschreiten, auf dem Sanftmut und Stärke, weit davon entfernt, einander zu widersprechen, sich gegenseitig unterstützen, um uns zu heiligen und uns in die himmlische Heimat zu führen.