Liebe Gläubige, liebe Freunde und Wohltäter!
Am 17. August 2026 veröffentlichte Seine Exzellenz Weihbischof Athanasius Schneider von Kasachstan ein Schreiben über die Bischofsweihe der Priesterbruderschaft St. Pius X., welches unsere gegenwärtige Situation treffender kaum auf den Punkt bringen könnte. Oft habe ich mich gefragt, wie man die Spannungen zwischen der Priesterbruderschaft und den kirchlichen Behörden am besten beschreiben könnte. Der Text von Bischof Schneider ist gleichsam eine Antwort, die uns die göttliche Vorsehung an die Hand gibt.
Bemerkenswert ist dabei vor allem, aus welcher Feder dieses Schreiben stammt. Es kommt nicht von einem Theologen aus unseren eigenen Reihen, sondern von einem Würdenträger der katholischen Kirche, ausserhalb unserer geliebten Bruderschaft, erfüllt von Glaubensgeist und von echter Liebe zur Kirche. Sollten Sie dieses Schreiben noch nicht gelesen haben, kann ich es Ihnen nur wärmstens empfehlen. Ich möchte daraus lediglich zwei Punkte herausgreifen, um Ihnen einen kleinen Einblick zu geben.
Bischof Schneider spricht zu Beginn von einem Dilemma, dem die der Tradition verbundenen Gläubigen ausgesetzt sind: „… die Wahl treffen zu müssen zwischen der Bewahrung der unmissverständlichen Integrität des katholischen Glaubens, wie er durch Jahrhunderte vom Lehramt gelehrt wurde, und der kanonischen Anerkennung durch den Papst.“ Es ist derselbe Gedanke, den unser Generaloberer bei der Predigt anlässlich der Bischofsweihe als das „Problem der zwei Sprachen“ bezeichnet hat. Die Sprache der katholischen Tradition scheint heute vielfach eine andere zu sein als die Sprache, in der die Kirche der modernen Welt begegnen möchte.
Müssen wir uns darüber wundern? Nicht wirklich. Schon Papst Johannes XXIII. sprach in seiner Eröffnungsansprache des Zweiten Vatikanischen Konzils, Gaudet Mater Ecclesia, vom 11. Oktober 1962 davon, die überlieferte Lehre der Kirche in einer Weise darzustellen, die den Menschen der Gegenwart entspricht. Für diese pastorale Ausrichtung wurde später das Wort „Aggiornamento“ zum Schlagwort.
Das Anliegen einer zeitgemässen Verkündigung ist dabei immer von der entscheidenden Frage abhängig: Wie kann die Wahrheit unverändert verkündet werden, ohne dass sie selbst dem Zeitgeist angepasst wird? Gerade hier zeigt sich die Spannung unserer Zeit. Die Anpassung an die moderne Welt ist leider so weit fortgeschritten, dass die Stimme der Vergangenheit nicht mehr als vertraute katholische Sprache, sondern geradezu als etwas Fremdes und Abwegiges erscheint.
Vor kurzem erschien im Schweizer Fernsehen eine Dokumentation über die Priesterbruderschaft mit dem Titel „Aufstand der Piusbrüder“. Darin sagt der katholische Theologe Jan-Heiner Tück, Dogmatikprofessor an der Universität in Wien, ganz offen: „Der Priester wird mit einer sakralen Aura ausgestattet, er trägt gewissermassen Autoritätsinsignien, Soutane und andere Anzeichen, die ihn vom Kirchenvolk klar abheben. Das zweite Vatikanum versteht hingegen den Priester vor allem in seinem Dienstcharakter für die Gläubigen und hat gewissermassen diese Sak-ralisierung des Priesters zurückgenommen.“
Diese Aussage bringt einen wesentlichen Unterschied im Denken auf den Punkt. Der Priester erscheint nicht mehr in erster Linie als der Mann, der durch das Sakrament der Priesterweihe in besonderer Weise Christus, dem Hohenpriester, zugeordnet ist, sondern vor allem als einer, der einen Dienst innerhalb der Gemeinde ausübt. Die Sakralität des Priestertums wird dadurch leicht zu etwas, das man zurücknehmen oder überwinden möchte.
Doch warum sollte der Priester etwas Sakrales sein? Warum sollte er sich von den Gläubigen unterscheiden? Die Antwort hängt letztlich davon ab, was wir in der heiligen Messe sehen. Ist sie lediglich eine gemeinschaftliche Eucharistiefeier, oder ist sie das heilige Opfer Christi, das auf unseren Altären gegenwärtig gesetzt wird? Ist der Priester nur Vorsteher einer liturgischen Versammlung, oder handelt er in besonderer Weise in persona Christi? Ist die Kirche vor allem eine Gemeinschaft von Menschen, oder ist sie der mystische Leib Christi, in dem Gott angebetet und die Seelen geheiligt werden sollen?
Wenn das Bewusstsein für das heilige Opfer schwindet, dann schwindet zwangsläufig auch etwas vom Verständnis für Heiligkeit, Anbetung, Ehrfurcht und die besondere Würde und Aufgabe des Priestertums. Es wundert uns deshalb nicht, dass wir in diesen Fragen eine andere Sprache sprechen. Es zeigt vielmehr, dass wir eine andere Vorstellung von der Grösse und Erhabenheit unserer Glaubensinhalte haben.
Um diesen Gedanken abzuschliessen zitiere ich den hl. Papst Pius X., der in seinem Mahnschreiben „Haerent animo“ anlässlich seines 50-jährigen Priesterjubiläums folgende Worte an die Priester des Erdkreises schrieb: „Angesichts dieser hohen Auffassung der Kirche vom Priesterleben darf niemand sich wundern, dass die heiligen Väter und Lehrer diesbezüglich eine Meinung vertreten, die manchen fast übertrieben scheint. Und dennoch werden wir bei einer abwägenden Beurteilung ihrer Aussagen nichts darin vorfinden, was nicht vollkommen wahr und richtig wäre. Ihre Ansicht lässt sich wie folgt zusammenfassen: Zwischen einem Priester und einem gewöhnlichen rechtschaffenen Menschen soll ein Unterschied sein wie zwischen Himmel und Erde.“ Und genau darum mahnt das römische Pontifikale die Weihekandidaten mit den Worten: „Ahmet nach, was ihr vollzieht!“ Es bleibt nur zu sagen, dass der Priester sehr wohl einen stark sakralen Charakter hat.
Kommen wir nun noch zu einem zweiten Punkt aus dem Schreiben von Bischof Athanasius Schneider. Er zieht ein klares und überraschendes Fazit: „Die Priesterbruderschaft St. Pius X. ist heute praktisch die einzige Gemeinschaft in der Kirche, die offen auf die ersichtlichen lehrmässigen Unklarheiten in bestimmten Konzilstexten sowie im Ritus der Neuen Messe hinweist und deren unmissverständliche Klärung – und gegebenenfalls sogar Verbesserung – im Einklang mit dem beständigen Lehramt der Kirche fordert.“ Was für ein schönes und zugleich erschreckendes Zeugnis! Schön, weil es uns zeigt, dass unsere Haltung auch ausserhalb unserer eigenen Reihen verstanden und gewürdigt wird. Erschreckend, weil es deutlich macht, wie wenige heute noch bereit sind, auf eine wirkliche Klärung der bestehenden Schwierigkeiten zu bestehen und dafür auch persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen.
Wir haben daher allen Grund, dem Werk Jesu Christi im Geiste Erzbischof Lefebvres treu zu bleiben. Der heilige Paulus schreibt mit einer beeindruckenden Klarheit: „Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium verkündeten als jenes, das wir euch verkündet haben: er sei verflucht!“ (Gal 1,8) Unsere Verbundenheit mit diesem Werk der Kirche dürfen wir deshalb als einen grossen Schutz für unsere Seelen betrachten. Denn darum geht es letztlich: um das Heil der Seelen. Genau daran erinnerte auch unser Generaloberer bei der Ankündigung der Bischofsweihen: Das oberste Gesetz in der Kirche ist das Heil der Seelen.
Um dies zu veranschaulichen, können wir den Blick einmal von der Bischofsweihe ohne päpstliches Mandat wegnehmen und das Gedankenexperiment umkehren: Stellen wir uns vor, die Priesterbruderschaft St. Pius X. würde nicht mehr existieren und es gäbe sogar keine Gemeinschaften mehr, welche der Tradition verbunden wären, ganz im Sinne der römischen Autoritäten, denen all diese Anhänger des „Alten“ ein Dorn im Auge sind. Wo würden die Priester und Ordensleute weiterwirken? Ich welchen Kirchgemeinden würden die Gläubigen in ihrem Streben nach Heiligkeit unterstützt und geführt werden? Was wäre das Ergebnis?
Viele von uns würden am ersten Samstag des Monats vergebens nach einer Möglichkeit suchen, der Mutter Gottes durch die Sühnekommunion und die damit verbundene Andacht eine besondere Freude zu bereiten. Viele würden umsonst einen Beichtstuhl suchen, um im trostvollen Sakrament der Versöhnung die Vergebung ihrer Sünden zu empfangen. Viele würden innere Pein und Marter erfahren, wenn sie plötzlich die Hand ausstrecken müssten, um das Allerheiligste zu empfangen. Viele würden vergebens im Pfarrhaus anrufen, wenn die sterbende Grossmutter dringend die heiligen Sterbesakramente benötigte. Viele würden langsam den Mut verlieren, in einer zunehmend gottlosen Welt den guten Kampf des Glaubens zu führen. Viele würden lau werden im Eifer für das Evangelium unseres Herrn. Und viele würden dadurch ihr ewiges Heil einer schweren Gefahr aussetzen.
Gott sei Dank ist dies nur ein Gedankenexperiment! Denn Sie dürfen auch am nächsten Sonntag wieder die heilige Messe im überlieferten Ritus besuchen und so zum Quell der Gnade treten. Sie müssen nicht erst Ausschau halten nach einer Eucharistiefeier, die vielleicht „gerade noch“ würdig gefeiert wird. Der überlieferte Ritus selbst legt in seinen Gebeten, Gesten und Zeremonien ein unmissverständliches Zeugnis vom heiligen Opfer Christi, von der Anbetung Gottes und von der Sühne für die Sünden ab. Wir dürfen uns glücklich schätzen, diesen Schatz empfangen zu haben und ihn unseren Kindern weitergeben zu können. Diesen Schatz dürfen wir verteidigen, das ist das Recht eines jeden Katholiken! Gott sei Dank!
Gerne lade ich Sie daher zum freudigen Fest mit Bischof Pascal Schreiber am 1. November nach Wil ein. Kommen Sie zahlreich, damit wir gemeinsam unseren Glauben bekennen und unserer Hoffnung auf den endgültigen Sieg der Kirche zum Ausdruck bringen können. Gerade in Zeiten, in denen vieles unsicher erscheint, dürfen wir mit Zuversicht auf Christus schauen, der seine Kirche niemals verlassen wird.
Unser Kampf gleicht einem geistigen Martyrium. Daher machen die Worte aus der Lesung vom Fest der heiligen Märtyrer Hoffnung: „Der Herr führte den Gerechten auf geradem Wege. […] Er zeigte ihm das Reich Gottes und gab ihm Kenntnis heiliger Dinge. Er stand ihm bei, als er mit List hintergangen wurde, und brachte ihn zu Ehren. Er schützte ihn vor seinen Feinden, stellte ihn sicher vor denen, die auf ihn lauerten und liess ihn siegen im harten Streite, damit er erkenne, dass die Weisheit Gottes mächtiger ist als alle Dinge.“ (Weish. 10,10-12)
Möge diese Zuversicht auch uns erfüllen. Bleiben wir treu, bleiben wir im Gebet verbunden und bewahren wir mit Dankbarkeit den Schatz des Glaubens, den wir empfangen haben.
Gott segne Sie!
In Christo
Ihr
Am 17. August 2026 veröffentlichte Seine Exzellenz Weihbischof Athanasius Schneider von Kasachstan ein Schreiben über die Bischofsweihe der Priesterbruderschaft St. Pius X., welches unsere gegenwärtige Situation treffender kaum auf den Punkt bringen könnte. Oft habe ich mich gefragt, wie man die Spannungen zwischen der Priesterbruderschaft und den kirchlichen Behörden am besten beschreiben könnte. Der Text von Bischof Schneider ist gleichsam eine Antwort, die uns die göttliche Vorsehung an die Hand gibt.
Bemerkenswert ist dabei vor allem, aus welcher Feder dieses Schreiben stammt. Es kommt nicht von einem Theologen aus unseren eigenen Reihen, sondern von einem Würdenträger der katholischen Kirche, ausserhalb unserer geliebten Bruderschaft, erfüllt von Glaubensgeist und von echter Liebe zur Kirche. Sollten Sie dieses Schreiben noch nicht gelesen haben, kann ich es Ihnen nur wärmstens empfehlen. Ich möchte daraus lediglich zwei Punkte herausgreifen, um Ihnen einen kleinen Einblick zu geben.
Bischof Schneider spricht zu Beginn von einem Dilemma, dem die der Tradition verbundenen Gläubigen ausgesetzt sind: „… die Wahl treffen zu müssen zwischen der Bewahrung der unmissverständlichen Integrität des katholischen Glaubens, wie er durch Jahrhunderte vom Lehramt gelehrt wurde, und der kanonischen Anerkennung durch den Papst.“ Es ist derselbe Gedanke, den unser Generaloberer bei der Predigt anlässlich der Bischofsweihe als das „Problem der zwei Sprachen“ bezeichnet hat. Die Sprache der katholischen Tradition scheint heute vielfach eine andere zu sein als die Sprache, in der die Kirche der modernen Welt begegnen möchte.
Müssen wir uns darüber wundern? Nicht wirklich. Schon Papst Johannes XXIII. sprach in seiner Eröffnungsansprache des Zweiten Vatikanischen Konzils, Gaudet Mater Ecclesia, vom 11. Oktober 1962 davon, die überlieferte Lehre der Kirche in einer Weise darzustellen, die den Menschen der Gegenwart entspricht. Für diese pastorale Ausrichtung wurde später das Wort „Aggiornamento“ zum Schlagwort.
Das Anliegen einer zeitgemässen Verkündigung ist dabei immer von der entscheidenden Frage abhängig: Wie kann die Wahrheit unverändert verkündet werden, ohne dass sie selbst dem Zeitgeist angepasst wird? Gerade hier zeigt sich die Spannung unserer Zeit. Die Anpassung an die moderne Welt ist leider so weit fortgeschritten, dass die Stimme der Vergangenheit nicht mehr als vertraute katholische Sprache, sondern geradezu als etwas Fremdes und Abwegiges erscheint.
Vor kurzem erschien im Schweizer Fernsehen eine Dokumentation über die Priesterbruderschaft mit dem Titel „Aufstand der Piusbrüder“. Darin sagt der katholische Theologe Jan-Heiner Tück, Dogmatikprofessor an der Universität in Wien, ganz offen: „Der Priester wird mit einer sakralen Aura ausgestattet, er trägt gewissermassen Autoritätsinsignien, Soutane und andere Anzeichen, die ihn vom Kirchenvolk klar abheben. Das zweite Vatikanum versteht hingegen den Priester vor allem in seinem Dienstcharakter für die Gläubigen und hat gewissermassen diese Sak-ralisierung des Priesters zurückgenommen.“
Diese Aussage bringt einen wesentlichen Unterschied im Denken auf den Punkt. Der Priester erscheint nicht mehr in erster Linie als der Mann, der durch das Sakrament der Priesterweihe in besonderer Weise Christus, dem Hohenpriester, zugeordnet ist, sondern vor allem als einer, der einen Dienst innerhalb der Gemeinde ausübt. Die Sakralität des Priestertums wird dadurch leicht zu etwas, das man zurücknehmen oder überwinden möchte.
Doch warum sollte der Priester etwas Sakrales sein? Warum sollte er sich von den Gläubigen unterscheiden? Die Antwort hängt letztlich davon ab, was wir in der heiligen Messe sehen. Ist sie lediglich eine gemeinschaftliche Eucharistiefeier, oder ist sie das heilige Opfer Christi, das auf unseren Altären gegenwärtig gesetzt wird? Ist der Priester nur Vorsteher einer liturgischen Versammlung, oder handelt er in besonderer Weise in persona Christi? Ist die Kirche vor allem eine Gemeinschaft von Menschen, oder ist sie der mystische Leib Christi, in dem Gott angebetet und die Seelen geheiligt werden sollen?
Wenn das Bewusstsein für das heilige Opfer schwindet, dann schwindet zwangsläufig auch etwas vom Verständnis für Heiligkeit, Anbetung, Ehrfurcht und die besondere Würde und Aufgabe des Priestertums. Es wundert uns deshalb nicht, dass wir in diesen Fragen eine andere Sprache sprechen. Es zeigt vielmehr, dass wir eine andere Vorstellung von der Grösse und Erhabenheit unserer Glaubensinhalte haben.
Um diesen Gedanken abzuschliessen zitiere ich den hl. Papst Pius X., der in seinem Mahnschreiben „Haerent animo“ anlässlich seines 50-jährigen Priesterjubiläums folgende Worte an die Priester des Erdkreises schrieb: „Angesichts dieser hohen Auffassung der Kirche vom Priesterleben darf niemand sich wundern, dass die heiligen Väter und Lehrer diesbezüglich eine Meinung vertreten, die manchen fast übertrieben scheint. Und dennoch werden wir bei einer abwägenden Beurteilung ihrer Aussagen nichts darin vorfinden, was nicht vollkommen wahr und richtig wäre. Ihre Ansicht lässt sich wie folgt zusammenfassen: Zwischen einem Priester und einem gewöhnlichen rechtschaffenen Menschen soll ein Unterschied sein wie zwischen Himmel und Erde.“ Und genau darum mahnt das römische Pontifikale die Weihekandidaten mit den Worten: „Ahmet nach, was ihr vollzieht!“ Es bleibt nur zu sagen, dass der Priester sehr wohl einen stark sakralen Charakter hat.
Kommen wir nun noch zu einem zweiten Punkt aus dem Schreiben von Bischof Athanasius Schneider. Er zieht ein klares und überraschendes Fazit: „Die Priesterbruderschaft St. Pius X. ist heute praktisch die einzige Gemeinschaft in der Kirche, die offen auf die ersichtlichen lehrmässigen Unklarheiten in bestimmten Konzilstexten sowie im Ritus der Neuen Messe hinweist und deren unmissverständliche Klärung – und gegebenenfalls sogar Verbesserung – im Einklang mit dem beständigen Lehramt der Kirche fordert.“ Was für ein schönes und zugleich erschreckendes Zeugnis! Schön, weil es uns zeigt, dass unsere Haltung auch ausserhalb unserer eigenen Reihen verstanden und gewürdigt wird. Erschreckend, weil es deutlich macht, wie wenige heute noch bereit sind, auf eine wirkliche Klärung der bestehenden Schwierigkeiten zu bestehen und dafür auch persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen.
Wir haben daher allen Grund, dem Werk Jesu Christi im Geiste Erzbischof Lefebvres treu zu bleiben. Der heilige Paulus schreibt mit einer beeindruckenden Klarheit: „Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium verkündeten als jenes, das wir euch verkündet haben: er sei verflucht!“ (Gal 1,8) Unsere Verbundenheit mit diesem Werk der Kirche dürfen wir deshalb als einen grossen Schutz für unsere Seelen betrachten. Denn darum geht es letztlich: um das Heil der Seelen. Genau daran erinnerte auch unser Generaloberer bei der Ankündigung der Bischofsweihen: Das oberste Gesetz in der Kirche ist das Heil der Seelen.
Um dies zu veranschaulichen, können wir den Blick einmal von der Bischofsweihe ohne päpstliches Mandat wegnehmen und das Gedankenexperiment umkehren: Stellen wir uns vor, die Priesterbruderschaft St. Pius X. würde nicht mehr existieren und es gäbe sogar keine Gemeinschaften mehr, welche der Tradition verbunden wären, ganz im Sinne der römischen Autoritäten, denen all diese Anhänger des „Alten“ ein Dorn im Auge sind. Wo würden die Priester und Ordensleute weiterwirken? Ich welchen Kirchgemeinden würden die Gläubigen in ihrem Streben nach Heiligkeit unterstützt und geführt werden? Was wäre das Ergebnis?
Viele von uns würden am ersten Samstag des Monats vergebens nach einer Möglichkeit suchen, der Mutter Gottes durch die Sühnekommunion und die damit verbundene Andacht eine besondere Freude zu bereiten. Viele würden umsonst einen Beichtstuhl suchen, um im trostvollen Sakrament der Versöhnung die Vergebung ihrer Sünden zu empfangen. Viele würden innere Pein und Marter erfahren, wenn sie plötzlich die Hand ausstrecken müssten, um das Allerheiligste zu empfangen. Viele würden vergebens im Pfarrhaus anrufen, wenn die sterbende Grossmutter dringend die heiligen Sterbesakramente benötigte. Viele würden langsam den Mut verlieren, in einer zunehmend gottlosen Welt den guten Kampf des Glaubens zu führen. Viele würden lau werden im Eifer für das Evangelium unseres Herrn. Und viele würden dadurch ihr ewiges Heil einer schweren Gefahr aussetzen.
Gott sei Dank ist dies nur ein Gedankenexperiment! Denn Sie dürfen auch am nächsten Sonntag wieder die heilige Messe im überlieferten Ritus besuchen und so zum Quell der Gnade treten. Sie müssen nicht erst Ausschau halten nach einer Eucharistiefeier, die vielleicht „gerade noch“ würdig gefeiert wird. Der überlieferte Ritus selbst legt in seinen Gebeten, Gesten und Zeremonien ein unmissverständliches Zeugnis vom heiligen Opfer Christi, von der Anbetung Gottes und von der Sühne für die Sünden ab. Wir dürfen uns glücklich schätzen, diesen Schatz empfangen zu haben und ihn unseren Kindern weitergeben zu können. Diesen Schatz dürfen wir verteidigen, das ist das Recht eines jeden Katholiken! Gott sei Dank!
Gerne lade ich Sie daher zum freudigen Fest mit Bischof Pascal Schreiber am 1. November nach Wil ein. Kommen Sie zahlreich, damit wir gemeinsam unseren Glauben bekennen und unserer Hoffnung auf den endgültigen Sieg der Kirche zum Ausdruck bringen können. Gerade in Zeiten, in denen vieles unsicher erscheint, dürfen wir mit Zuversicht auf Christus schauen, der seine Kirche niemals verlassen wird.
Unser Kampf gleicht einem geistigen Martyrium. Daher machen die Worte aus der Lesung vom Fest der heiligen Märtyrer Hoffnung: „Der Herr führte den Gerechten auf geradem Wege. […] Er zeigte ihm das Reich Gottes und gab ihm Kenntnis heiliger Dinge. Er stand ihm bei, als er mit List hintergangen wurde, und brachte ihn zu Ehren. Er schützte ihn vor seinen Feinden, stellte ihn sicher vor denen, die auf ihn lauerten und liess ihn siegen im harten Streite, damit er erkenne, dass die Weisheit Gottes mächtiger ist als alle Dinge.“ (Weish. 10,10-12)
Möge diese Zuversicht auch uns erfüllen. Bleiben wir treu, bleiben wir im Gebet verbunden und bewahren wir mit Dankbarkeit den Schatz des Glaubens, den wir empfangen haben.
Gott segne Sie!
In Christo
Ihr